Archiv für Januar 2009

StuPa-Wahl: Rechter AStA wiedergewählt!

Nach dem heute veröffentlichten vorläufigen Wahlergebnis kommt die ADF auf 24 Sitze und hat somit die nötige absolute Mehrheit, um dieses Jahr den AStA alleine zu stellen. Das Gute daran ist, daß sie den RCDS nun wohl nicht länger zum Machterhalt benötigen.

Auch die BG fIMP hat den Posten der Fachgruppensprecherin dieses Jahr an die MFG (Mathematische Fachschaftsgruppe) verloren.

Damit wird es dieses Jahr noch schwieriger als bisher, die noch vorhandenen kritischen und unabhängigen Strukturen der studentischer Selbstverwaltung zu erhalten. Das Endergebnis für die StuPa-Wahlen findet ihr hier.

Uniwahlen 2009

Vom 13. bis 16. Januar finden dieses Jahr Uniwahlen statt.

Wahlokale sind:
* für die Mathe-Fakultät (und Informatik) in der Numerik (Institut für Numerische und Angewandte Mathematik, Lotzestraße 16 – 18, Eingang Böttingerstraße, Sozialraum) und am 15.01.2009 im Institut für Informatik, Goldschmidtstraße 7, Seminarraum 1.10.
* für die Physik: Fakultäten für Physik, Chemie und Geowissenschaften/Geographie im Physikgebäude an der Norduni, Friedrich-Hund-Platz 1, Foyer Haupteingang.

Am 16.01. kann nur noch von 10:00 bis 14:00 Uhr in dem gemeinsamen Wahllokal im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) im GWZ, 1. Stock, Empore zwischen den Hörsälen 010 und 011 gewählt werden.

StuPa: Liste 8 – Basisdemokratisches Bündnis wählen
für einen emanzipatorischen AStA!
Fachschaften / FSPs: Basisgruppen wählen
für emanzipatorische Fachschaften!

«Zusammenhang #19» erschienen!

Die neue Ausgabe der Zeitung des Basisdemokratischen Bündnis und der Basisgruppen ist jetzt auch im Internet erhältlich!

Themen sind: Bachelorkritik, Uni und Krise, die Mietpreiserhöhungen des Studentenwerks, Studierendenproteste in Italien, Griechenland, Frankreich und Mexiko, Kritik an Lehrevaluationen, RFID-Chipkarten und die Ausgründung am Uniklinikum.

Hier findet Ihr den «Zusammenhang» als pdf.

Gedruckte Ausgaben findet Ihr auch in der Mathecafete oder im Infoständer am Eingang zum Physikgebäude.

Viel Spaß beim Lesen!

Kritik an RFID-Chipkarten: Zum Umbau der Zentral-Mensa.

Mit dem Umbau der Zentralmensa und der Abschaffung der Essensmarken ist im Dezember ein weiterer Schritt zur Umstellung des Mensabetriebes auf die bargeldlose Bezahlung mit der Chipkarte erfolgt (http://www.studentenwerk-goettingen.de/fileadmin/_stw/gf/mensa_spezial/ms243.pdf). So werden in naher Zukunft die günstigeren Mensapreise für Studierende nur noch mit der Chipkartenbezahlung erhältlich sein.

Über die Hintergründe der Einführung der RFID-Chipkarte als Studentenausweis an der Uni Göttingen haben wir bereits einen Artikel verfasst, der im «Zusammenhang», der Zeitung des Basisdemokratischen Bündnis, erschienen ist.
Durch die Durchsetzung der RFID-Technologie ergeben sich eine Reihe von Effekten auf das studentische Leben:

(1) Überwachung der Studierenden, Zugangskontrollen &c. RFID-Funkchips sind zuallererst eine Überwachungstechnologie. In Fabriken werden sie eingesetzt, um die Waren innerhalb der Fertigungskette ständig kontrollieren und überprüfen zu können. Mit den RFID-Chipkarten wird es durch die Installation von Auslesegeräten (die übrigens keine großen Kosten verursacht) möglich, Bewegungsprofile zu erstellen, die Anwesenheitspflicht elektronisch und unbemerkt zu kontrollieren oder die besuchten Vorlesungen zu protokollieren.
Zugangskontrollen zu bestimmten Gebäuden oder Gebäudetrakten stellen schon heute Hemmnisse für viele Studierende da. So haben reguläre Mathematikstudenten keinen Zugang ins Gebäude der Stochastik am Nordcampus und die theoretische Physik ist für Physikstudierende in den unteren Semestern verschlossen. Praktisch kommt die Universität mit dieser Abschottung wichtiger Kernbereiche dem Klischee der «internationalen Spitzenforschung» nach, die von Eliteleuchttürmen wie der Uni Göttingen betrieben werden soll, um die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der BRD zu stärken: Eine kleine Anzahl herausragender Forscher soll dazu auserkoren sein, die Zukunft der Wissenschaft zu bestimmen.
Gleichzeitig entzieht sich die Eliteforschung aber auch der demokratischen Kontrolle: ob hinter den verschlossenen Hochsicherheitstüren Rüstungs- bzw. Kriegsforschung betrieben wird, bleibt für diejenigen ohne Zugangskarte ein Geheimnis.

(2) Ausgrenzung von nicht zur Studierendenschaft gehörigen Mensanutzern, die früher von den günstigen Studentenpreisen mitprofitiert haben: junge Familien, nicht immatrikulierte Doktoranden, Arbeitslose und viele Andere. Während es früher durchaus üblich war, daß die Sozialämter die Unimensen empfohlen haben, schotten diese sich durch die Chipkarteneinführung ab und werden in Zukunft ausschließlich Studierenden zur Verfügung stehen. Dies geschieht gerade zu der Zeit einer massiven und breiten Verarmung der Gesellschaft (Hartz 4, Massenentlassungen &c.) und wird nowendigerweise die gesellschaftliche Spaltung befördern.

(3) Sicherheits- und Datenschutzprobleme. Durch die Chipkarte werden jede Menge an Daten über studentische Gewohnheiten und ihr Verhalten produziert werden: Bewegungsprofile, besuchte Vorlesungen, bevorzugtes Mensaessen u.v.m.
Diese Daten sind für Werbefachleute privater Firmen und Marktforscher Gold wert. Profile von Studierenden dienen dafür, psychologisch ausgefeilte Werbekampagnen zu kreieren. Auf dem Campus schon zu Hauf vertretene Werbung für besondere Handytarife, Jobanbieter oder günstige Zeitungsabos mögen zunächst noch harmlos erscheinen. Aber in diesem Zusammenhang stehen auch politisch motivierte Kampagnen wie die von Bertelsmann koordinierte «Du bist Deutschland!»-Kampagne.
Hier stehen klare wirtschaftliche Interessen im Vordergrund und es wäre naiv anzunehmen, daß diese sich immer vollkommen mit denen der Studierenden decken würden. Die Preisgabe von Daten kann und wird zur gezielten und organisierten Manipulation verwendet. Inwieweit einmal erhobene Daten gespeichert und weitergegeben (oder sogar verkauft) werden, kann der einzelne Student nicht überblicken. Die Universität dokumentiert diese Angaben nicht.

(4)Sicherheitsprobleme bei RFID-Chipkarten:
http ://www.golem.de/0804/59115.html
http ://www.heise.de/newsticker/Programmiertools-zum-Mifare-Cracken-veroeffentlicht--/meldung/118003
http ://www.heise.de/newsticker/25C3-Mangelhafte-Verschluesselung-bei-vielen-RFID-Karten--/meldung/121028

Den aufgezählten Nachteilen stehen für die Ziel-Nutzergruppe jedenfalls keine wirklichen Vorteile gegenüber. Der Verkürzung von Bezahlvorgängen stehen Intransparenz von Preisen und Kartenkontostand sowie die technische Anfälligkeit direkt auf gleicher Ebene entgegen. Angesichts der Kosten für die zu pflegende Infrastruktur dürfte es für Universität und Studentenwerk auch keine nennenswerten finanziellen Vorteile geben. So beschränken sich die »Vorteile« wohl vor allem auf den Kreis der Firmen, die hier für gepfefferte Preise ihre Technologie auf einem neuen Markt testen wollen und über genug persönlichen Einfluss verfügen, um die Universität zu ihrer Spielwiese machen zu können.

Zu denken geben sollte auch, daß die Einführung der Chipkarte, trotz ihrer Auswirkungen auf den studentischen Alltag, sozialer und politischer Bedenken, nie demokratisch legitimiert wurde. Die Studierenden wurden nie dazu befragt und es gab auch keine Abstimmung darüber. Wie die Implementierung des Bachelorsystems und die Abschaffung der Diplom- und Magisterstudiengänge (Bologna-Prozeß) ist die Einführung der Chipkarte und ihre Anwendung von oben diktiert. Wer sich verweigert, wird mittels höherer Preise bestraft.

Für nähere Informationen empfehlen wir: http ://www.foebud.org/rfid, den Chipkartenreader der Informatik Darmstadt und den Chipkartenreader «Chipkarte.Hochschule.Datenschutz» der LAK Berlin. Letzterer ist leider noch nicht online verfügbar, aber kann im Infoladen im Juzi (Öffnungszeit: jeden Dienstag von 19:30 bis 21 Uhr) oder im ‚Bunten Raum‘ des Philosophischen Seminars (Humboldtallee 19, im Keller) eingesehen werden.




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